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Freie Meinungsbildung heute – die Aufgabe der Presse

– Zum Artikel "Der Guru" in der SZ Nr. 88 vom 13./14.4.2019 – Leserbrief

Arbeit und Wirken der Presse entspricht nicht nur einer hehren oder gut gemeinten Idealvorstellung eines öffentlich-politischen und sozio-kulturellen Auftrags der Information und Meinungsbildung. Vielmehr sind Aufgaben, Rechte und Pflichten der Medien in den Pressegesetzen der Länder verankert.


Indem die Presse an der Meinungsbildung mitwirkt, erfüllt sie eine öffentliche Aufgabe und dient damit dem demokratischen Gedanken [1]. Dabei wird dem „Recht, ungehindert Nachrichten und Informationen einzuholen, zu berichten und Kritik zu üben“, „die Pflicht zu wahrheitsgemäßer Berichterstattung“ nicht nur in gleicher Weise an die Seite, sondern als erstgennannte sogar vorangestellt [2]. Während wir die Inanspruchnahme von jenem als den spannenden, abenteuerlichen und oft auch gefährlichen Teil der Arbeit von Journalisten und Whistleblowern vermehrt präsent haben, setzen wir die Erfüllung von dieser – und zwar wortwörtlich zu Recht – nicht nur bei gutem und seriösem, sondern bei einem Journalismus jedweglicher Couleur stillschweigend und als selbstredend voraus. Beides, die ungehinderte Informationsbeschaffung ebenso wie die wahrheitsgemäße Berichterstattung sind die Pfeiler einer sachlichen und freilassenden Meinungsbildung.  

 

Vor gut einem Monat erschien indes am 13./14.4.2019 in der SZ Nr. 88 unter der Rubrik BUCH ZWEI an sehr prominenter Stelle ein Artikel, der die Pflicht der wahrheitsgemäßen Berichterstattung in erstaunlicher Grobheit verletzt. In diesem Artikel wird ein Mensch in einer Weise dargestellt, die sowohl seinen Gedanken und Ansätzen, wie diese für jedermann in seinen Schriften zu finden sind, als auch der Art und Weise, wie man ihn für gewöhnlich in der persönlichen Begegnung erleben kann, konträr entgegengesetzt ist. Im Rahmen unseres letzten, Mitte März geposteten Beitrags über die Frage nach einem weltanschauungsfreien Unterricht war Heinz Grill, um dessen Person es sich handelt, ein willkommener, weil fundierter und sachkundiger Gesprächspartner. In sachlicher und nachvollziehbarer Weise erörterte er Notwendigkeit und Möglichkeit einer möglichst freilassenden und nicht missionarischen Unterrichtsgestaltung heute.

 

In besagtem Artikel jedoch wird die Person von Heinz Grill zunächst durch den Titel sowie die sich aufdrängenden plakativen Illustrationen als „Guru“ dargestellt, der andere Menschen offensichtlich nach „bester“ Manier einer Gehirnwäsche zum Werkzeug seiner – ja, was eigentlich?  – es sollen wohl Machtbedürfnisse und dergleichen sein – mache. Liest man dann den Text, erfährt man hingegen nichts von Inhalt, Methodik und Ziel des sogenannten Neuen Yoga Willen, der von Heinz Grill begründeten individuellen Schulung. Die in unsachlicher, äußerst haltloser Weise verstreuten und aus dem Zusammenhang gerissenen Bruchstücke von Einzel-“Informationen“ berauben den Leser der Möglichkeit, sich auch nur irgendein Bild, geschweige denn ein klares und adäquates, von Heinz Grills Ansatz und Intentionen zu machen. Den Hauptinhalt des Artikels stellt dann vielmehr ein Familiendrama dar.

 

Die allerdings sehr tragische Geschichte der Münchner Familie „B.“ ist für die SZ-Redakteure anscheinend von so großem öffentlichen Interesse, dass sie einer breiten Darstellung in jener prominent platzierten Rubrik des Hauptteils für würdig befunden wird. Auf die Sachlichkeit und Angemessenheit der Darstellung des Familienkonflikts mit mehrfach tödlichem Ausgang soll hier nicht weiter eingegangen werden. Klarer Fakt ist, dass die Unterlassung einer inhaltsorientierten, sachgemäßen Schilderung von Heinz Grills Schulungs-Ansatz in der Verbindung mit einem persönlichen, familieninternen  – und als Patienten wohl auch etliche Privatpersonen betreffenden – Rechtskonflikt dazu führt, dass sich der Leser eine Meinung über die Persönlichkeit und das Lebenswerk eines Menschen, der auf seinem Gebiet ein erfahrener Fachmann ist und aus eigener Forschungsarbeit in wissenschaftlichem Sinn durchaus etwas zu sagen hat, worüber er in etlichen Veröffentlichungen Zeugnis abgelegt hat, nicht bilden kann. Dem Leser wird vielmehr eine fertige Meinung vorgegeben, so dass dieser die Arbeit hat, sich zunächst einmal eigenständig von der unklaren und zugleich tendenziösen Art der Darstellung und der Begriffssetzungen zu befreien und sich selbst eine Erkenntnis über die dürftig angerissenen, eigentlichen Inhalte zu schaffen – als da wären (1) der Neue Yoga Wille von Heinz Grill und (2) das Wirken der Person von Christine Bornschein in der sozialen und öffentlich-rechtlichen Sphäre heute.

Die unsachliche Art, wie sie die SZ am 13./14.4.2019 im Artikel „Der Guru“ an den Tag legt, den Bürgern die Meinungsbildung durch sorgfältig recherchierte Informationen nicht in freilassender Weise zu ermöglichen, sondern ihnen im Gegenteil, so diese nach der so geprägten Lektüre des Artikels tatsächlich noch wach genug und offen-interessiert dafür sind, regelrecht Steine in den Weg zu legen, entspricht in keiner Weise den Zielen und Aufgaben eines wahrhaftigen Journalismus. 

Einem Journalismus, der sich als solcher versteht, sollte es weder geziemen, in solch einer unangebrachten Unsachlichkeit an die Öffentlichkeit zu treten, noch, da die Menschenwürde und Persönlichkeitsrechte betroffen sind, in einer derartig, in moralischer Hinsicht höchst bedenklichen und vermutlich auch rechtlich deutlich fragwürdigen Weise regelrecht auszugleiten.

Es nimmt wirklich sehr Wunder, dass sich gerade die Münchner Süddeutsche Zeitung als renommiertes überregionales Blatt – es handelt sich um die nach der Bild-Zeitung auflagenstärkste Tageszeitung Deutschlands [3] – einen „Journalismus“ leistet, der als sogenannter "investigativer" seiner Art dermaßen gegen die Sorgfaltspflicht verstößt [4]. Noch mehr nimmt es hingegen Wunder, dass auch fünf Wochen nach Erscheinen des Artikels noch keiner der sicherlich zahlreichen Leserbriefe erschienen ist. Einer Verantwortung für das eigene journalistische Handeln würde nicht nur eine Darstellung sein, die klaren und strukturierten Charakters nachvollziehbar auf die von Heinz Grill seit langem publizierten Inhalte tatsächlich eingeht. Sich nach diesem journalistischen Fauxpas jetzt nicht des öffentlichen Gespräches zu entziehen, gehörte in gleicher Weise dazu. [S. hierzu u. Kommentar #1.]

 

In diesem Sinne veröffentlichen wir nun unseren am 23.4.2019 eingereichten Leserbrief [5] hier.

 


Anmerkungen

 

– Alle Quellen aus dem Internet wurden zuletzt am 18.5.2019 abgerufen. –

 

 

[1]

„Die Presse erfüllt eine öffentliche Aufgabe, wenn sie in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt oder auf andere Weise an der Meinungsbildung mitwirkt" (s. LPresseG (Landespressegesetz BW), Art. 3).

 

„Die Presse dient dem demokratischen Gedanken“ (s. BayPrG (Bayrisches Pressegesetz), Art. 3, Abs. 1).

 

[2]

„Sie [sc. die Presse] hat in Erfüllung dieser Aufgabe die Pflicht zu wahrheitsgemäßer Berichterstattung und das Recht, ungehindert Nachrichten und Informationen einzuholen, zu berichten und Kritik zu üben" (s. ebd., Abs. 2)

 

[3]

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutscher_Zeitungen

 

[4]

Sorgfaltspflicht der Presse. "Die Presse hat alle Nachrichten vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Wahrheit, Inhalt und Herkunft zu prüfen" (s. LPresseG, Art. 6).

 

[5]

Die Veröffentlichung erfolgt in korrigierter Version: die angeführte Schriftstellerin und Dichterin Marica Bodrožić wurde im Vornamen mit einer Buchstabenverdrehung ("Marcia") angeführt. Wir bitten um Nachsicht. 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Philipp Fürdens (Sonntag, 26 Mai 2019 17:59)

    Nachtrag:
    Letzten Mittwoch, 22.5.2019, wurde unser Leserbrief zusammen mit anderen zu diesem Thema gekürzt abgedruckt. Insofern hat ein gewisses Gespräch im Rahmen des üblichen SZ-Leserforums stattgefunden.