„Menschenbildung – Selbstbestimmung“ – die Zielsetzung des Projekts

Zwei Begriffe sind es, die dem Ort dieser Seiten seinen Namen geben. Was wollen sie sagen und in welchem Verhältnis stehen sie zueinander? Weshalb der Gedanke der Menschenbildung gerade in Verbindung mit dem der Selbstbestimmung auftritt, mag quasi unmittelbar und selbstverständlich auf der Hand liegen. Verständlich jedoch wird der Sinn dieses bedeutsamen Gespanns erst in hinreichendem Maße werden, wenn das Bedeutungsspektrum dessen, was mit dem Begriff der Menschenbildung gemeint sein kann und soll, eine grundlegende Darstellung erfährt.

 

Grundsätzlich kann man Menschenbildung in zwei Lesarten auffassen. Gemäß der grammatikalischen Unterscheidung bei bestimmten Genitivattributen kann der Begriff, lexikalisch auseinander gezogen als die Bildung des Menschen, einmal als Subjekts- und einmal als Objektsgenitiv verstanden werden. Im ersten, dem Verständnis eher naheliegenden Fall ist der Mensch das Subjekt, derjenige, der die bzw. eine Bildung „besitzt“, der folglich Bildung aufweisen kann oder dem sie zugesprochen wird.

 

In erhöhtem Maße verstehen sich diese Beiträge jedoch im Sinne der zweiten Möglichkeit, die sich beinahe bereits aus sich selbst heraus andeuten möchte, sobald nicht mehr von einem reinem, z.B. kanonischem oder auch anderem Wissen faktischer Art die Rede ist. Wenn hochstehende Ideen und wertvolle Gedanken länger und gründlich bewegt und als Ideale ausgebildet werden, ist es von einem bestimmten Punkt an nicht mehr möglich, sie als sogenanntes „Bildungsgut“ einfach in seinem Wissensschatz inne zu haben. Vielmehr haben dann diese „Inhalte“ ihrem Wahrheitscharakter entsprechend begonnen, im äußeren Leben eine reale Dimension anzunehmen. Sie sind zu lebensgestaltenden Kräften geworden. In diesem zweiten Sinn ist der Mensch nicht mehr das triviale, rein „besitzende“ Subjekt – das er ohnehin nie war –, sondern er ist das eigentliche Objekt des – seines eigenen – Bildungsprozesses geworden. Dies bedeutet, die Bildung des Menschen als Genitivus objectivus beschreibt den Vorgang der Menschwerdung ausgehend von dem und durch den Gedanken. Dies entspricht ganz Herders „neue[m] Ideal einer Bildung zum Menschen“ (vgl. Hans-Georg Gadamer, Wahrheit und Methode, Tübingen 2010, 15) – und meint zugleich noch mehr.

 

Für gewöhnlich ist man allerdings geneigt, seine Aktivität eher einseitig auf diejenigen Themen und Gedanken zu beschränken, die für das Bestreiten der täglichen Pflichten notwendig sind. Was darüber hinaus geht, ist meist nicht von großem übergeordnetem Interesse und dient dem sogenannten Ausgleich, der Erholung oder dem Genuss. Selbst zu bestimmen, was man konsumiert, ist jedoch noch keine Selbstbestimmung im eigentlichen Sinn. Eine wirkliche Selbstbestimmung kommt dort zum Tragen, wo zusätzliche, nicht für die Arbeits- oder Lebensbedürfnisse erforderliche, sondern vollkommen unabhängige und übergeordnete Inhalte in das Leben aufgenommen werden. Diese Bereicherung ist nur in freiester Weise möglich. Daher stellt sie allein die Freiheit und die eigentliche Selbstbestimmung in der Bildung vom und zum Menschen dar. Dennoch wird, wie oben beschrieben, dieser freie „Bildungsinhalt“ nicht losgelöst von allem übrigen Leben und Wirken sein, sondern von seiner übergeordneten Ebene aus die bereits vorhandenen Kenntnisse ergänzen, befruchten und in ganz neue Zusammenhänge und Möglichkeiten führen. Die inhaltliche Selbstbestimmung im Geistesleben wird so zur Selbstbestimmung auch in den äußeren, im Anfang determinierenden Zusammenhängen. Die Selbstbestimmung ermöglicht es dem sich bildenden Individuum, sich immer wieder neu und freier in die Welt zu stellen. In diesem Sinn ist der Gedanke der Selbstbestimmung inniglichst verbunden mit dem der Menschenbildung.

 

Nicht alle Gedanken sind geeignet und in der Lage, den Menschenbildungsprozess umzusetzen. Das sich bildende Individuum benötigt die richtigen, d.h. menschengerechte und menschenwürdige Inhalte und wird darauf angewiesen sein, zu den entsprechenden Quellen zu gehen. Das Ziel dieser Seiten ist es, Beiträge zusammenzustellen, die mit solchen, in der Kulturgeschichte existierenden Quellen umgehen oder von entsprechenden Gedanken derselben ausgehend Themen diverser Felder erarbeiten und diese in ein neues Licht stellen. Damit soll – und dies kann selbstverständlich nur als individueller Vorschlag gemeint sein, der seinem Anspruch nach jedoch möglichst objektiv und allgemein nachvollziehbar sein soll – eine Grundlage für die Bildung eines würdigen Menschentums und den Aufbau einer wahren Humanität gelegt und dokumentiert werden.

 

Was aber des Menschen würdig ist, mithin seinem Wesen und dessen Bildung gerecht wird, kann indes nicht willkürlich sein, sondern muss wiederum auf einem konkreten, zugrunde gelegten Menschenbild basieren.

 

 

 

 

 

Menschenbildung:

- zwei Verständnis-möglichkeiten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Selbstbestimmung:

sich neue Inhalte und Freiheit erringen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Ziel dieser Seiten:

Darstellung und Erarbeitung von menschenbildenden Inhalten

 


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